Beeinflusst Werbung das Selbstbild unserer Kinder?

Wer älter als 30 ist, der kennt ihn noch aus der Fernsehwerbung: Den Marlboro Man. Die Werbefigur stand für pure Männlichkeit und Coolness, jeder Junge wollte so sein wie er. Heute würde der Cowboy, der jung an Lungenkrebs starb, im Fernsehen albern wirken und für Empörung sorgen – abgesehen davon, dass Zigarettenwerbung hier schon länger verboten ist. Auch die Hausfrauenwerbung aus den 50er Jahren, wie zum Beispiel für Marken wie Dr.Oetker oder Persil,  sorgt mit ihrem eher skurrilen Frauenbild heute mittlerweile für Lacher und Kopfschütteln. Besonders absurd wirkt auch diese Werbung für Frauengold aus den 50er Jahren. Abgesehen von der zweifelhaften Verbindung von täglichem Alkoholgenuss und guter Laune und den absurden Anforderungen an eine Ehefrau, wurde es 1981 schließlich aufgrund von schädlichen Inhaltsstoffen verboten.

Zum Glück leben wir im 21. Jahrhundert. Und zum Glück gibt es solche Klischees heute nicht mehr. Wobei – das stimmt ja garnicht. Stereotype soweit das Auge reicht: Sobald man den Fernseher einschaltet, hüpfen junge und schöne Frauen über den Bildschirm, die auf makabere Art und Weise wie lebendige Deko für das beworbenen Produkt wirken. Hier sind Frauen immer perfekt geschminkt, top gestylt, gut gelaunt und unbekümmerte Multitasker – alles dank eines Schokoriegels. Oder sie sind albern und aufgedreht und haben nichts als Schuhe im Kopf. Alternativ bauen Frauen in TV-Werbungen Autounfälle, sind schusselig oder erzählen uns begeistert von der neuen Kaltaktivformel, die schon bei niedrigen Temperaturen wirkt.

Klischees und Vorurteile sind nervig, vor allem aber sind sie gefährlich für unser Selbstwertgefühl. Für erwachsene Frauen ist das schon problematisch genug, noch gravierender ist es für junge Mädchen, die noch nicht kritisch hinterfragen können was echt, was gephotoshopt und was totaler Blödsinn ist. Massenmedien wie das Fernsehen beeinflussen nicht nur unser Selbstbild negativ, sondern auch unsere Einstellung und unser Verhalten.

Ein Experiment von 2002 zeigt, dass Frauen deutlich schlechter in Mathematiktests abschneiden, wenn ihnen kurz zuvor ein typischer Hausfrauen-Werbespot gezeigt worden ist. Die andere Hälfte der Teilnehmerinnen sah eine Werbefilm, in der eine Frau auf intelligente Art und Weise über politische Themen referierte – und schnitt im Test besser ab. Dieses Phänomen, in der Psychologie als Bedrohung durch Stereotype (stereotype threat) bekannt, kann das Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein durch ein bestimmtes Klischee (Frauen sind schlecht in Mathematik) schwächen und einen so zum Beispiel schlechter in Tests, aber auch im wahren Leben abschneiden lassen. Wer schonmal vor einer amüsierten Gruppe von Männern versucht hat, sich in eine kleine Parklücke zu zwängen, der kennt dieses Phänomen.

Wer seinen Sprösslingen dieses zweifelhafte Rollenbild nicht vermitteln möchte, schaltet lieber den Fernseher so wenig wie möglich an. Trotzdem ist Werbung überall und nicht zu vermeiden. Wichtig ist also zu erklären, dass Werbung nicht die Realität widerspiegelt, sondern ganz häufig einfach Quatsch ist. Frauen können mehr, als nur nett auszusehen oder unterhaltsam zu sein und das kann man als Mutter am allerbesten zeigen und vorleben. Es ist doch auch viel schöner, wenn die Eltern die Vorbilder sind.

 

(Bild: Wikipedia)

Werbung . Frau

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