Wenn es „richtige“ Geschwister gibt, gibt’s denn dann auch „falsche“?

“Also wie die Natur manchmal mitspielt – da haben beide Eltern blauen Augen und das Kind hat grüne!”, amüsiert sich ein älteres Ehepaar am Nachbartisch. Solche Kommentare bin ich gewohnt. Denn vor allem in älteren Generationen ist es unverständlich, dass das möglicherweise nicht an verwirrten Genen liegt. Aber: Es gibt eben noch andere Konstellationen außer “Mutter, Vater, Kind”. In diesem Fall war ich einfach mit meiner Mutter und meinem Stiefpapa im Restaurant.

Ein weiteres häufiges (und lustiges) Szenario meiner Kindheit: Meiner Stiefschwester Catharina und mir wurde beim Spielen zu zweit gerne mal langweilig. Aufgeschlossen wie wir beide waren, wurden mit Vorliebe auch mal Passanten angequatscht, ausgefragt oder zum Mitspielen bei Gummi-Twist überredet. Die fanden uns dann meist ganz niedlich und fragten: “Na, wie heißt ihr beiden denn?” Prompt kamen zwei Antworten: “Katharina” sagte ich, und “Catharina,” sagte meine Schwester und fügte stolz hinzu: “Aber mit C“.

Schweigen.

“Aha… soso – seid ihr Geschwister?” Eine Augenbraue wanderte hoch. Wir bejahten. “Und wie alt seid ihr?” “Sechs” sagte meine Stiefschwester und “Sechs” sagte ich. Völliges Unverständnis machte sich breit. Die Tatsache, dass wir sowohl den gleichen Namen haben als auch gleich alt sind, wurde als Unsinn verbucht.

Welche Eltern nennen denn ihre beiden Töchter “K/Catharina”? Und wie soll das bitte zeitlich passen, wenn beide gleich alt sind? Erst im Nachhinein kann ich die Verwirrung verstehen und muss darüber sehr lachen. Den Trend hin zur Patchworkfamilie und zu Stiefgeschwistern gab es schließlich nicht immer.

Der einzige Satz, der mich wirklich ärgert.

„Hast du denn auch richtige Geschwister?“ Was sind denn bitte richtige Geschwister? Gibt’s denn dann auch falsche? Für mich ist es absolut normal, dass Geschwister nicht leiblich sein müssen damit sie einem ans Herz wachsen. Im Endeffekt ist es doch egal, wie man es definiert – wichtige Menschen im Leben sind eben wichtige Menschen, dafür braucht es keine Berechtigung. Ich plädiere dafür, dass in KiTas auch mal “Mutter, Stiefpapa, Halbgeschwisterchen” gespielt wird.

 

Wer von euch lebt in einer Patchwork-Familie und hat ähnliche Erfahrungen gemacht? Welche Hürden musstet ihr schon meistern?

 

Hier geht’s zum Gastbeitrag auf Frau Mutter’s Website.

 


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