Deins, meins, unsers? Patchwork!

Das Kinder erst lernen müssen zu teilen ist ganz normal. Wie aber sieht es aus, wenn es eine „Gütertrennung“ innerhalb der Familie gibt? Bei mehreren Parteien in einer Patchwork -Familie ist das gar nicht so einfach zu managen.

„Phillip hat meine Lego-Burg kaputt gemacht!“ tönt es unter Tränen aus dem Wohnzimmer. Leon hat sie gerade erst von seinem Vater zu Weihnachten bekommen.  Leon und Phillip teilen zwar dieselbe Mutter, haben jedoch verschiedene Väter. Der Anruf lässt nicht lange auf sich warten: „Ich hab doch gesagt,  die Burg  ist für Leon und kein Gemeinschaftsgeschenk! Das hat man jetzt davon!“ Meine Mutter ist überfordert, vor allem pädagogisch. Natürlich muss Phillip vorsichtiger mit den Sachen anderer umgehen — trotzdem: Unter Geschwistern soll man teilen. Sie will schließlich keine fünf Einzelkinder großziehen.

Evolutionspsychologisch ist die väterliche Reaktion ganz normal. Vor allem soll die eigene Brut von Geschenken und Zuwendungen profitieren, und nicht die anderen „Kuckuckskinder“.  Schon Disneys Aschenputtel lehrte uns, dass die leiblichen Kinder meist besser und bevorzugt behandelt werden, als die mit fremden Genen – nicht umsonst gibt es den Ausdruck der „bösen Stiefmutter“. Dieser Mechanismus ist tief in uns Menschen verankert, wird in Patchworkfamilien aber leider sehr häufig zu einem großen Problem. Gemeinsam beschlossene Regeln und Kodizes schaffen da Abhilfe, sind aber keine Universallösung. Jedes beteiligte Elternteil hat schließlich andere Normen, Werte und vor allem andere Vorstellungen von Kindererziehung, die es irgendwie zusammenzubringen gilt.

Besonders viel Diskussionsgrundlage in jeder Familie bietet das gemeinsame Essen. Bei uns sieben Personen am Tisch kommen fünf Allergien, drei verschiedene Nahrungsmittelunverträglichkeiten und 250 Mal „Mag-ich-nicht“ zusammen. „Unsere“ Tischregeln gab es nicht und so mussten die anderen Geschwister mit großen Augen zusehen, wenn die einen schon vor dem Mittagessen Schokolade essen durften. Nur zu gerne erinnere ich mich an unsere tägliche Ketchup-Debatte („bei meiner Mama Zuhause darf ich das!“) oder meinen älteren Bruder der erst dann anfing zu essen als wir schon längst fertig waren, da er jedes Maiskorn einzeln aus seinem Essen aussortierte. Trotz regelmäßiger Wutausbrüche und überforderten Eltern hätte ich unsere gemeinsamen Mahlzeiten nicht missen wollen – wenn ich dabei etwas gelernt habe, dann dass das Leben nicht immer fair sein kann.


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